Yoga & Wandern in Tirol
Als ich nach sechs Stunden Autofahrt am AlpenRetreat ankomme, denke ich nur: Jetzt kann es losgehen. Die Sonne scheint und vor mir liegen die Berge. Ich steige aus, atme tief ein und spüre sofort diese Vorfreude auf die kommende Woche.
16 Menschen werden hier Yoga üben, miteinander wandern, essen, lachen, sich fordern, zurückziehen, austauschen und Zeit in den Bergen verbringen. Noch weiß keiner von uns, was in diesen Tagen entstehen wird. Und genau das liebe ich an solchen Reisen.
Das AlpenRetreat fühlt sich schnell wie der richtige Ort dafür an. Der Blick vom Haus auf die Berge, der helle Yogaraum unter dem Dach, der Duft von Räucherstäbchen, kleine Lichter im Treppenhaus und diese angenehme Ruhe im ganzen Haus. Vor der Tür stehen Bänke. Im Laufe der Woche werden sie zu einem unserer Lieblingsplätze. Morgens kurz in die Berge schauen. Nachmittags mit einer Tasse Tee zusammensitzen. Abends erzählen, lachen oder einfach still werden.
Auch beim Essen treffen wir immer wieder zusammen. Morgens erwartet uns ein reichhaltiges vegetarisches Frühstück, abends sitzen wir wieder gemeinsam am Tisch. Unsere brasilianische Köchin bringt das Essen mit einem Strahlen aus der Küche. Spinatlasagne, frische Salate, Kitchari – und für mich ganz klar: das Porridge am Morgen.
Es sind diese kleinen Dinge, die solch eine Woche besonders machen.

Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum
Unser Thema in dieser Yogawoche sind die fünf Elemente. Jeden Tag nehmen wir eines davon mit in unsere Yogapraxis und hinaus in die Berge.
Wo halte ich gerade fest oder wo brauche ich wieder Bewegung?
Was gibt mir Halt?
Wo darf ich loslassen? Wo fehlt der Fluss, die Leichtigkeit im Leben?
Was unterdrücke ich gerade in mir?
Und dann zeigt uns die Natur, wie passend dieses Thema ist. Ausgerechnet am Tag des Wassers regnet es kräftig. Also bleiben wir am Vormittag im Yogaraum. Wir üben, vertiefen unser Wissen und verbringen die Zeit anders als geplant. Keiner ärgert sich darüber. Wir nehmen den Tag so, wie er kommt. Wir dürfen im Fluss sein.
Auch das ist für mich Yoga.
Morgens auf die Matte. Danach in die Berge.
Unsere Tage bekommen schnell ihren eigenen Rhythmus. Yoga. Frühstück. Wanderschuhe an. Raus. Wir wandern zu Bergseen, Almen und Gipfeln. Wir begegnen Murmeltieren und Gemsen, sammeln Höhenmeter und erleben diese Weite, die es nur oben in den Bergen gibt.
16 Menschen bringen natürlich auch 16 unterschiedliche körperliche Voraussetzungen mit. Deshalb gibt es verschiedene Wege und verschiedene Ziele. Niemand muss etwas beweisen. Jeder darf sich fordern, ohne zu überfordern. Genau darin entstehen für mich die schönsten Momente.
Eine Teilnehmerin ist eher zurückhaltend, traut sich aber schließlich einen anspruchsvollen Aufstieg zum Gipfel zu. Es wird anstrengend. Die anderen bleiben bei ihr und unterstützen sie. Und dann steht sie oben. Sie hat es geschafft - was für ein überwältigendes Gefühl.
Solche Augenblicke berühren mich jedes Mal. Weil es gar nicht um diesen einen Gipfel geht. Es geht um den inneren Prozess: Ich habe mir etwas zugetraut und ich bin über mich hinausgewachsen.
Später sagt eine Teilnehmerin einen Satz, den ich aus dieser Woche mit nach Hause nehme: „Ich habe mich bei den Wanderungen immer sicher gefühlt, weil ich wusste, dass jeder auf jeden mit aufpasst.“ Mehr Gemeinschaft braucht es eigentlich nicht.
Dann kommt unsere Nacht auf der Hütte
Wir sind gespannt, verlassen für eine Nacht das AlpenRetreat und machen uns gemeinsam auf den Weg nach oben zur Hanauer Hütte. Auch dieser Aufstieg fordert uns, doch am Ende schaffen ihn alle, die mitgekommen sind.
Oben sitzen wir zusammen, essen, erzählen und lachen viel. Die Gespräche werden persönlicher. Die Stimmung wird ausgelassener. Irgendwo an diesem Abend verändert sich die Gruppe, denn aus Menschen, die sich einige Tage zuvor zum Teil noch gar nicht kannten, ist eine Gemeinschaft geworden. Wir haben inzwischen miteinander geschwitzt und gelacht. Wir haben uns gegenseitig motiviert, aufeinander gewartet und besondere Momente miteinander geteilt. Genau diese Nähe entsteht auf einer Wander-Retreat-Reise. Dafür braucht es Zeit und gemeinsame Erlebnisse.

Am Ende fühlt es sich anders an
Am letzten Tag sitzen wir wieder auf den Bänken vor dem AlpenRetreat. Tee in den Händen, die Berge vor uns – nur die Menschen auf diesen Bänken sind nicht mehr dieselben wie eine Woche zuvor. Es wird erzählt und gelacht. Die Gruppe wirkt freier, vertrauter und voller Energie. Und ich sitze da und denke: Genau deshalb mache ich diese Reisen. Ich mag’s.
Ich liebe Yoga. Ich liebe die Berge und die Bewegung draußen. Doch am meisten berührt mich zu sehen, was innerhalb weniger Tage zwischen Menschen entstehen kann.
Wenn jemand plötzlich mehr Vertrauen in sich hat und wieder zurück in die Praxis gefunden hat.
Wenn aus Fremden Vertraute werden.
Wenn am Ende einer anstrengenden Wanderung, die Teilnehmer/innen zufrieden schmunzeln und sich wieder mehr geerdet fühlen.
Wenn jemand beim Abschied sagt: „Wann machen wir das wieder?“
Und dann kommen die Umarmungen. Viele Umarmungen.
Ich fahre nach dieser Woche wieder nach Hause und nehme selbst einiges mit: neue Begegnungen, neue Orte, viele Bilder im Kopf und vor allem große Dankbarkeit. Yoga & Wandern in den Bergen verbindet für mich so vieles, was wirklich gut tut. Berge und frische Luft, Bewegung und Ruhe, Yoga und Wandern, gutes Essen, Herausforderungen, Lachen, Gespräche, Stille und Menschen, mit denen man all das teilt.
Und falls du unsere Bilder siehst und denkst: „Das würde ich auch gern erleben. Aber schaffe ich das?“ Dann möchte ich dir etwas mitgeben: Du musst hier niemandem etwas beweisen. Du gehst deinen Weg – und du gehst ihn nicht allein.
Tirol, wir kommen wieder.
Und vielleicht bist du beim nächsten Mal mit dabei.
Wenn dich dieses Thema berührt, hier kannst du weitergehen.
Kleine Impulse. Neue Termine. Echte Auszeiten.
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Ruhig. Klar. Ohne Dauerbeschallung.





























