Je länger ich mich mit Bewegung beschäftige, desto faszinierender finde ich unseren Körper.
Er ist kein starres System, das irgendwann einfach so ist, wie es ist. Er reagiert auf das, was wir mit ihm tun. Er lernt Bewegungen, entwickelt Kraft, verbessert seine Koordination und passt sich an die Anforderungen an, die wir ihm regelmäßig stellen.
Darin steckt eine unglaublich positive Botschaft: Unser Körper kann lernen und sich verändern.
Wenn wir ihm Bewegung anbieten, reagiert er darauf. Wenn wir ihn fordern, kann er Kraft entwickeln. Wenn wir Gleichgewicht üben, wird er sicherer darin. Wenn wir neue Bewegungen ausprobieren, sammelt er Erfahrungen und erweitert seine Möglichkeiten.
Deshalb möchte ich Menschen nicht nur dazu ermutigen, ihren Körper gut wahrzunehmen. Ich möchte ihnen vor allem wieder mehr Vertrauen darin geben, was ihr Körper leisten und entwickeln kann.

Unser Körper lernt jeden Tag
Training beginnt für mich nicht erst auf der Yogamatte oder mit einer Hantel in der Hand.
Unser Körper trainiert den ganzen Tag.
Wenn wir vom Stuhl aufstehen, müssen unsere Beine Kraft entwickeln. Wenn wir Treppen steigen, arbeiten Beine, Becken und Rumpf zusammen. Wenn wir Einkaufstaschen tragen, sind Hände, Arme, Schultern und unsere Körpermitte gefragt. Wenn wir auf einem Bein stehen, organisiert unser Körper innerhalb kürzester Zeit Gleichgewicht und Stabilität.
All diese Situationen geben unserem Körper Aufgaben, auf die er reagieren muss.
Ich finde es spannend, Bewegung genau aus diesem Blickwinkel zu betrachten. Dann wird aus einer Treppe nicht nur der Weg in die nächste Etage und aus dem Aufstehen vom Boden nicht nur eine alltägliche Handlung. Beides wird zu einer Gelegenheit, den eigenen Körper zu benutzen.
Dabei muss Bewegung überhaupt nicht spektakulär sein, um wertvoll zu sein.
Unser Körper profitiert davon, wenn er unterschiedliche Aufgaben bekommt und seine vielen Möglichkeiten regelmäßig einsetzen darf.
Unsere Muskeln möchten benutzt werden
Beim Thema gesunde Bewegung denken viele Menschen zuerst an Beweglichkeit, Lockerlassen und Entspannung. All das gehört für mich selbstverständlich dazu. Genauso wichtig finde ich aber die andere Seite: Unsere Muskeln dürfen arbeiten. Sie dürfen ziehen, drücken, tragen, stabilisieren und Bewegungen abbremsen. Sie dürfen dabei deutlich spürbar werden und nach einer passenden Belastung auch müde sein.
Ich empfinde diese Muskelarbeit nicht als etwas, das wir möglichst vermeiden sollten. Für mich gehört sie zu einem lebendigen und belastbaren Körper. Ein gutes Beispiel ist ein Stütz. Dabei arbeiten nicht nur die Arme. Die Hände tragen Gewicht, der Schultergürtel stabilisiert, der Rumpf organisiert die Körpermitte und die Beine unterstützen die gesamte Position. Bei einem Liegestütz wird daraus eine noch komplexere Aufgabe, weil der Körper nicht nur stabilisieren, sondern zusätzlich Bewegung kontrollieren muss.
Mich interessiert dabei nicht in erster Linie, wie viele Liegestütze jemand schafft oder wie lange ein Stütz gehalten werden kann.
Viel spannender finde ich, wie der Körper diese Aufgabe löst.
Wo entsteht Kraft? Welche Bereiche arbeiten gut zusammen? Wie verändert sich die Bewegung, wenn Kraft und Kontrolle wachsen?
Genau darin steckt für mich Körperwissen.

Bewegung schafft Fähigkeiten
Unser Alltag ist heute an vielen Stellen ausgesprochen komfortabel geworden. Wir sitzen viel, fahren kurze Strecken, lassen uns Dinge liefern und nutzen zahlreiche Hilfsmittel, die uns körperliche Arbeit abnehmen. Das ist angenehm und erleichtert unser Leben. Gleichzeitig bekommt unser Körper dadurch weniger Gelegenheiten, bestimmte Fähigkeiten einzusetzen.
Wenn wir kaum noch etwas tragen, brauchen wir weniger Griffkraft. Wenn wir selten vom Boden aufstehen, wird genau diese Bewegung ungewohnter. Wenn wir jede Treppe durch einen Aufzug ersetzen, fehlt unseren Beinen eine alltägliche Kraftaufgabe. Unser Körper macht dabei nichts falsch. Im Gegenteil: Er passt sich sehr sinnvoll an das an, was wir von ihm verlangen. Deshalb können wir diese Anpassungsfähigkeit auch bewusst für uns nutzen. Wir können unserem Körper wieder mehr Aufgaben geben und ihm damit zeigen, dass seine Fähigkeiten gebraucht werden.
Ich finde deshalb die Frage spannend: Welche Aufgabe darf mein Körper heute übernehmen?
Das kann die Treppe statt des Aufzugs sein. Es kann bedeuten, eine Tasche selbst zu tragen, häufiger auf dem Boden zu sitzen und wieder aufzustehen oder die Arme bei einer Übung wirklich einmal arbeiten zu lassen. Solche kleinen Entscheidungen bringen mehr Bewegung in den Alltag und geben unserem Körper Gelegenheit, seine Möglichkeiten zu nutzen.
Belastung ist etwas Positives
Das Wort Belastung klingt für viele Menschen zunächst negativ. Für mich gehört Belastung ganz selbstverständlich zu gesunder Bewegung. Ein Muskel braucht einen Reiz, um Kraft entwickeln zu können. Unser Gleichgewicht braucht Herausforderungen, damit wir lernen, schneller und sicherer zu reagieren. Auch Koordination entsteht dadurch, dass unser Nervensystem Bewegungen immer wieder neu organisiert.
Die entscheidende Frage ist: Welche Belastung passt zu meinem Körper und gibt ihm die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln?
Eine solche Belastung darf spürbar sein. Sie darf Kraft kosten und sie darf uns fordern. Gleichzeitig sollte sie so gewählt sein, dass wir die Bewegung kontrollieren können und unser Körper genügend Zeit bekommt, sich an die Aufgabe anzupassen. Diese Dosierung finde ich in meiner Arbeit besonders. Es geht weder darum, den Körper ständig zu schonen, noch darum, ihn permanent an seine Grenzen zu bringen. Es geht darum, Aufgaben zu finden, an denen er wachsen kann.
Vertrauen entsteht durch das, was wir erleben
Ich sehe in meinen Kursen und im Einzeltraining immer wieder, wie sehr sich das Verhältnis zum eigenen Körper verändert, wenn Menschen erleben, dass sie etwas können. Eine Bewegung, die sich zuerst anstrengend angefühlt hat, wird vertrauter. Ein Stütz kann länger gehalten werden. Das Aufstehen vom Boden gelingt leichter. Eine Position fühlt sich stabiler an und eine Belastung, die vorher groß erschien, wird plötzlich gut machbar.
Solche Veränderungen sind für mich viel mehr als Trainingserfolge, denn sie geben uns Vertrauen. Der Körper bekommt die Erfahrung: Ich kann mich tragen. Ich kann Kraft entwickeln. Ich kann lernen und mich anpassen. Diese Erfahrung lässt sich nicht theoretisch vermitteln. Wir müssen sie selbst machen. Darum probiere ich in meinen Stunden gern Dinge aus und lasse Menschen Unterschiede spüren. Nicht, damit jede Bewegung anschließend perfekt aussieht, sondern damit sie erleben, wie ihr eigener Körper reagiert. Wenn daraus der Gedanke entsteht „Das hätte ich meinem Körper gar nicht zugetraut“, finde ich das großartig.
Entdecke, was in Deiner Bewegung steckt
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Bewegung darf vielfältig sein
Für mich gibt es deshalb auch nicht die eine Bewegungsform, die alles abdecken muss. Yoga, Spiraldynamik®, funktionelles Training, Kraftübungen, Spaziergänge, Wandern und alltägliche Bewegung können sich wunderbar ergänzen. Unser Körper kennt schließlich keine Kategorien wie „Yogaübung“ oder „Krafttraining“. Er erlebt Bewegung, Widerstand, Gleichgewicht, Koordination, Spannung und Entspannung.
Das ist die Vielfalt, die ich mag. An einem Tag brauchen wir Ruhe und eine feine Wahrnehmung. An einem anderen Tag dürfen die Muskeln richtig arbeiten. Wir können Beweglichkeit erforschen, Gleichgewicht herausfordern, Kraft entwickeln und dabei immer wieder entdecken, wie intelligent unser Körper auf unterschiedliche Anforderungen reagiert. Für mich bedeutet gesunde Bewegung, den Körper zu benutzen. Ich möchte seine Möglichkeiten erhalten, neue entdecken und ihm Aufgaben geben, bei denen er zeigen darf, was in ihm steckt.
Diese Verbindung aus Yoga, Spiraldynamik® und funktionellem Training bildet auch die Grundlage von KBI³ – meinem Konzept für Körper- und Bewegungsintelligenz. Hier geht es darum, Bewegung nicht nur auszuführen, sondern sie besser zu verstehen, bewusster zu gestalten und die eigenen Möglichkeiten zu erweitern.
Unser Körper ist ein anpassungsfähiges Wunderwerk
Je mehr ich über Anatomie, Bewegung und die Zusammenhänge im Körper lerne, desto größer wird mein Respekt davor, was unser Körper jeden Tag leistet. Er organisiert unzählige Bewegungen, gleicht aus, stabilisiert, reagiert, lernt und passt sich immer wieder neu an. Aus diesem Grund gefällt mir der Gedanke, ihm nicht nur Schutz und Erholung zu geben, sondern auch Herausforderungen.
Unsere Muskeln dürfen arbeiten, unser Herz darf schneller schlagen, unser Gleichgewicht darf gefordert werden und eine Bewegung darf sich auch einmal anstrengend anfühlen. Das alles gehört für mich zu einem Körper, der benutzt werden darf.
Ich stelle mir und meinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gern diese Frage: Was darf ich meinem Körper heute zutrauen?
Die Antwort kann jeden Tag anders aussehen. Entscheidend ist für mich, dass wir unserem Körper immer wieder die Gelegenheit geben, zu bewegen, zu lernen, Kraft zu entwickeln und uns zu zeigen, was alles in ihm steckt.
Neugierig, was noch in Deiner Bewegung steckt?
Unser Körper steckt voller Möglichkeiten. Je besser wir ihn verstehen, desto mehr können wir entdecken, ausprobieren und weiterentwickeln.
In meinen Impulsen teile ich Gedanken, Körperwissen und praktische Anregungen rund um Yoga, Spiraldynamik® und bewusste Bewegung.
Entdecke weitere Impulse und bleib in Bewegung.



